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Jammerfreie Zone

Achtung! Aufgepasst! Jammerfreie Zone

19. Kapitel

Jammerfreie Zone? Jammern? Ich doch nicht.

Taschendame LaBelle. Patin der jammerfreien Zone.
Taschendame LaBelle.

Gerne würde ich es abgeben. An eine von ihnen. Ich sag einfach Sanya, oder Eulalia oder Josy Bescheid. Sie sollen etwas über jammerfreie Zeit schreiben. Sie machen da nicht mit, haben alle Taschendamen gesagt, das sei mein Job. Sie als Taschendamen hätten da ganz andere Aufgaben. Mich bei meiner Herausforderung beobachten wollte auch keiner. Zum Glück durfte ich mir eine Dame als Patin wählen. La Belle hat mir zugesichert, dass sie mich ermutigt. Bzw: Nun, sie muss, ehrlich gesagt, einen klaren Kopf bewahren. Die Gefahr ist groß, dass ich jeden jammernden Moment vor ihr sehr ausgeklügelt rechtfertigen werde.

Die Macht des Jammerns

Ich weiß nicht, wie es dir geht. Manchmal gibt es mir ein Gefühl der Befriedigung: Ich jammere. Manchmal denke ich allerdings nicht, dass ich jammere. Nein, im Gegenteil. Ich komme mir besonders schlau dabei vor: Die Tasse gehört in die Spülmaschine, die Kiste mit dem Schild nach vorne, die Schuhe ins Regal, die Jacke an den Haken. Jammern? Nein, jammern ist das nicht. Das ist Fürsorge. Es geht um das Einhalten verabredeter Regeln, die das Zusammenleben erleichtern. Ist doch so, oder?

Und – hilft´s?

Meine Worte verhallen ungehört im leeren Raum. Längst weg die Person. Schuhe ins Regal? Quatsch. Es ist Pause. Gehört haben es die anderen. Die, die immer ihre Schuhe ins Regal stellen und deren Jacken auch nie vom Haken fallen. Aber: NACH der Pause! Dann aber! Dann stelle ich es besonders schlau an. Nochmal bleiben die Schuhe nicht draußen. Das Jammern zieht Wellen nach sich. Ist es denn jammern? Vielleicht ist es doch die vernünftige Fürsorge? In mir brummelts. Nein. Brummeln im Inneren ist keine Fürsorge. Das ist mindestens Ärger.  „Schuhe gehören ins Schuhregal!!!“. SO hört sich Fürsorge nicht an. Ich drehe und wende mich. Will entkommen. Ich? Jammern? Ich doch nicht!

Die Macht des Innehaltens

Nun einfach mal stop. Ja, ganz richtig. Stop. STOP. Dank Karin Wess mache ich das überhaupt. Dank Gabriele trage ich gerade ein Jersey-Schleifchen um mein Handgelenk. In Gedanken steht darauf: Jammerfreie Zone. Stop also. Ich klopfe auf das Bändchen und mache in Gedanken einen Strich. Es war jammern, ich rede mich nicht raus. Brummeln im Bauch? Die Tasse nicht in der Spülmaschine? Eindeutig jammern. Ja, ich kann euch immer noch hören. Ja ich höre die Stimmen die sagen: „Na das kann man doch erwarten.“ Es ist aber gerade nicht so. Die Tasse steht draußen. Warten könnte ich nun noch lange.

Nach einer ausgiebigen Putzaktion schmerzt mein Rücken. Ich höre, wie ich mich in Gedanken tadele. Oh, nicht nur das. Es folgen weitere Freundlichkeiten: „Alt bin ich geworden. Der Lack ist ab. Es musste ja so kommen.“ Jammern? Aber hallo!!! Ganz hohes Niveau!

Abends will ich mich belohnen. Ich sitze an der Nähmaschine. Die Naht kräuselt sich. Das Garn reißt. Der Stoff klemmt. In meinem Bauch brummelts. Bis eben war dieses tiefe Jammertal von mir unbemerkt. Hat ja auch einfach zu funktionieren, so eine Nähmaschine. Keine Zeit für klemmenden Stoff. Oh, oh. Ich schaue auf mein Bändchen am Arm.

Das war wohl heute noch nichts mit „jammerfrei“.

Nochmal von vorn

Die Regel heißt: Jammerfrei 7 Tage DURCHGEHEND am Stück. Keine Unterbrechung. Morgen fange ich also wieder von vorne an.

Erkenntnis des Tages

Ich rechtfertige mein Jammern mit schlauen Argumenten auf allen Ebenen! Die dreckige Tasse ist nicht in der Spülmaschine. Ich jammere. Ich erspare dir die vielfältigen Argumente, die mein Geist nun bringt. Er macht auch davor nicht halt: „Ich habe es verdient, dass andere ihre Tasse in die Spülmaschine stellen.“ Oha.

Jammern ist gleich…

Diese Liste ist für all jene, die auch dann und wann glauben: „Nö, jammern tue ich nicht so viel.“ Vielleicht findest du dich – so wie ich mich – in dieser Liste schneller wieder:
  • jemanden anschuldigen
  • jaulen
  • lamentieren
  • nörgeln
  • seufzen
  • sich beklagen
  • sich beschweren
  • stöhnen
  • trauern
  • klagen
  • weinen
  • wimmern
  • zetern
  • etwas bedauern
  • jemandem nachweinen

Ach, ein bisschen geht doch

Beim Lesen der Synonyme war mir klar: Der Grad ist schmal. Weinen ist doch ok und wichtig! Ebenso wie das Trauern. Nicht gelebte Trauer staut sich im Inneren und treibt doch auch sein Unwesen. Ach, das bisschen Stöhnen… 7 Tage jammerfreie Zone heißt, einmal komplett zu verzichten und zu überprüfen:

Was soll ich denn sonst machen?

Hier ein paar Ideen. In mir höre ich übrigens schon den ersten Aufschrei der Entrüstung. Du auch?

  • zufrieden sein
  • freuen
  • loben
  • anerkennen
  • dulden
  • beherrschen
  • gutheißen

Ganz konkret könntest du auch noch bei der „Weil du wertvoll bist“ – Aktion der Taschendamen mitmachen. Das ist eine garantierte Anti-Jammer-Strategie.

 

Mit welchen Überzeugungen hältst du dich im Jammertal auf? Hast du Lust mitzumachen? Lade gerne auch andere Menschen ein! 7 Tage nicht jammern. 7 Tage anerkennen was ist.
Ich bin übrigens jetzt wieder bei Tag 1.

Diese Taschendame widme ich der jammerfreien Zone.


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2 comments

  1. Nicole says:

    7 Tage ohne Jammern? Find ich gut 🙂
    Ich habe so eigene Definition vom Jammern: Wenn jemand sich immer wieder über seine eigene Situation beklagt, sich immer als Opfer fühlt, seine Unzufriedenheit zur Schau stellt.
    Hilfreich ist es, wenn man sich fragt: Was an dieser Situation ist richtig? Was kann ich verändern?
    Eine schöne jammerfreie Zeit wünsche dir 😀
    LG Nicole

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