Komfortzone: Wie bequem hast du es? | Mutmachgeschichten

Komfortzone: Wie bequem hast du es?

Oder: Wie man eine Komfortzone eigentlich nennen sollte

Ein kritischer Blick von Taschendame Juli auf den Begriff „Komfortzone“. 

Ich bin Juli.

Letztens fragte Maike uns, ob einer von uns über die Komfortzone schreiben möchte. Sie habe von Christine Winter auf Stille-Stärken.de von der Blogparade „Komfortzone verlassen? Oder lieber doch nicht?!gehört. Ich habe spontan ja gesagt. Meine Komfortzone ist unser rosa Sofa. Dort sitze ich mit einer Tasse Tee und den anderen Taschendamen. Dann plaudern wir und fühlen uns so richtig wohl.

Dann kam die Überraschung.

DAS ist gar nicht damit gemeint! Komfort heißt doch gleich bequem?! Na klar, aber dieser Begriff enthält viel mehr. Das ist jetzt wieder typisch Mensch, finde ich. Ein Wortkonstrukt, wie ein Wolf im Schafspelz. Er verspricht Behaglichkeit und dann so was:

Eine Komfortzone macht die Menschen angeblich unlebendig!

Das soll jemand verstehen. Während ich mich auf unserem Sofa lümmele, fühle ich mich sehr lebendig. Ich versuche also das Rätsel zu lüften: Eine Komfortzone (abgekürzt von mir als BQZ – Bequemlichkeitszone. KFZ wäre irgendwie irreführend) heißt nur so. Sie beschreibt den Raum eines Menschen, in dem er sich geborgen fühlt. Aber – jetzt kommt der Hasenfuß: Man kann gleichzeitig unglücklich sein. Das ist für eine Taschendame schwer zu verstehen. Nach langem Nachdenken bin ich nur auf diesen Vergleich gekommen. Mir rauchte schon der Kopf: Ich sitze auf unserem rosa Sofa und habe es bequem. Dann fangen Sanya und Odette sich zu streiten an. Dann ist es schon weniger bequem. Wenn ich jetzt aus Bequemlichkeit auf dem Sofa bleibe OBWOHL mich dieser Streit nervt, bin ich in meiner BQZ. Ein Aufstehen würde mich Überwindung kosten. Da ich nicht weiß, wohin ich stattdessen soll, bekomme ich es bei dem Gedanken mit der Angst. Ein Zeichen für die Grenzen meiner. BQZ. Andere Menschen mit einer größeren BQZ wären hindernislos aufgestanden.

Das ist doch alles Käse!

So eine Zone kann ich weder Komfortzone noch Bequemlichkeitszone nennen. Oder? Ist es nicht einfach das Leben, das da passiert? Mit all seinen Facetten und Herausforderungen? Vielleicht ist es die „Nein-ich-bleib-lieber-hier-Zone“, also eine NIBLHZ? Oder eine „ich-trau-mich-noch-nicht-Zone“, die ITMNNZ? Oder – um nicht alles in Frage zu stellen – könnte ich mich auf den Kompromiss einlassen es „Komfortzonengrenze“ zu nennen. Um bei meinem Beispiel zu bleiben: In dem Moment, in dem es ungemütlich wird und ich dennoch bleibe, erlebe ich die Komfortzonengrenze. Na gut, du hast ja Recht. Wenn es einen Komfortzonengrenze gibt, muss es auch die Komfortzone geben. Vermutlich verstehen die Menschen dieses Prinzip besser als Taschendamen. Das mag vielleicht an dem Paradox liegen, dass es solche und solche Bequemlichkeit gibt:

1. Ich habe es rundum bequem – in mir und und um mich herum.

Das erklärt sich glaube ich von selbst: Ich sitze auf meinem Sofa, das Leben ist schön. Mir mangelt es an nichts.

2. Ich habe es in mir bequem, aber um mich herum ist es das nicht.

Ich liege morgens im Bett, die Sonne kitzelt mich an meiner Nase als ich plötzlich den höllischen Lärm des Rasenmähers höre.

3. Ich habe es in mir unbequem, aber um mich herum sieht es gemütlich aus.

Ich sitze auf meinem Sofa, die Sonne lacht, Sanya bringt mir eine Tasse Tee und meine Gedanken drehen sich im Kreis: „Ich sollte aufstehen und mich bewegen. Ich sollte hier nicht faul rumsitzen. Ich werde dick und rund, wenn ich weiter so viele Kekse essen. Sanya nervt.

4. Ich verwechsele Bequemlichkeit mit Routine oder einem bestimmten Status Quo, die nur so tun als ob sie bequem seien.

Mein Kleiderschrank ist voll. Ich habe 10 Kleider, von denen ich nur drei anziehe. Weil es aber so schick aussieht und ich mich damit beruhige, behalte ich sie. Die anderen 7 Kleider hängen nur rum. Wenn jemand in den Schrank schaut könnte er sagen: „Boah, hast du tolle Kleider“. Ich kann dann innerlich denken: „Ja, sieht zwar so aus, die brauche ich aber schon lange nicht mehr. Es war zu unbequem, sie auszumisten.“

5. Ich habe es so bequem, dass ich erstarre.

Es ist so bequem auf meinem Sofa, dass ich nach einer Woche feststelle, dass ich nichts anderes getan habe. Obwohl ich diese Erkenntnis habe, bleibe ich wo ich bin, weil ich inzwischen fast auf meinem Sofa festgewachsen bin. Mein Körper sendet mir Signale, dass er sich bewegen will und ich tue nichts.

6. Ich habe es komplett unbequem.

Etwas völlig Unerwartetes geschieht und reist mir den Boden unter den Füßen weg. Wenn es jemals eine BQZ gegeben hat, ist sie in diesem Moment verschwunden. (Was mich insgeheim zu der Frage führt: Hat jeder Mensch eine BQZ? Ist eine BQZ selbstverständlich? Aber das ist vielleicht ein Thema für eine andere Geschichte.)

Nun, die ursprüngliche Frage war ja: „Raus aus der Komfortzone oder bleiben“?

Ich plädiere dafür, die Dinge beim Namen zu nennen und ehrlich nach innen zu schauen. Ich glaube daran, dass Menschen mit einem wunderbaren Potential ausgestattet sind. Sie haben die Weisheit und die Fähigkeit , zu erkennen, was sie brauchen. Ich verstehe, dass das Konzept Das rosa Sofa der Taschendamen.der Komfortzone ein Mittel dazu ist. Ohne den Schritt des Erkennens nützt aber der schönste Aufruf nichts. Also lasst uns unsere Komfortzone (unser Leben!) entdecken und mit Weisheit die beste Richtung einschlagen. Ich glaube, dafür ist Christine von Stille Stärken eine wunderbare Expertin. 

Es grüßt dich herzlich vom rosa Sofa,

deine Juli

7 comments

  1. Das ist ein sehr, sehr kluger Beitrag zu meiner Blogparade, liebe Juli.
    Es geht darum, das Leben mit all seinen Aspekten zu leben. Und wir Menschen haben manchmal die Idee, dass wir uns dazu überwinden müssten.
    Dabei gehört ein rosa Sofa und eine Tasse Tee definitiv zum Leben dazu.

    Sei du selbst, lass die anderen anders sein.
    Deine
    Christine

    • Liebe Christine,
      danke für dein Kompliment. Klug hat noch keiner zu mir gesagt 🙂 Siehst du, nur weil man ein Wort nicht versteht, heißt es noch lange nicht, dass man dumm ist. Es liegt an den Wörtern!
      Deine Juli

  2. Ein wunderschöner Beitrag, der die Komfortzone mal in ein anderes Licht rückt.
    Natürlich geht es jedem so, dass er mal seine Komfortzone verlässt…und dazu gehört auch Mut….umso schöner ist es dann auch mal wieder auf dem Sofa mit einer Tasse Tee zu sitzen um sich darüber zu freuen, dass man den Mut hatte seine Komfortzone zu verlassen.
    Und Mut tut gut 🙂
    sprengLEBENDIGe Grüße
    Ulrike

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