Kann man Zeit überhaupt managen?

Über Zeit-Management, Fokus und andere Ungereimtheiten

22. Kapitel

Zeit managen oder sich treiben lassen?

Tasche mit MissionVerzweifelt habe ich letztens versucht mit Liselotte über Zeitmanagement, Prioritäten und Fokus zu diskutieren. Sie wollte davon gar nichts wissen. Sie sagte, sie lebe lieber in die Antworten hinein, sie müsse keine Zeit managen und ihr Fokus seien ihre Fragen. Auch Prioritäten müsse man sich nicht aus den Fingern saugen, das ginge alles ganz natürlich. Ich muss zugeben, dass mich ihre prompte Antwort beeindruckt hat. Allerdings fühlte ich mich auch ein bisschen vor den Kopf gestoßen.

Kann man überhaupt Zeit managen?

Nach meinem Zeitexperiment vor ein paar Wochen, bei dem ich einfach mal alle Uhren abgehängt habe, geht mir die ganze Planerei auf die Nerven. Muss man denn Zeit managen? Was passiert denn, wenn ich sie nicht „bewältige“?

Weißt du, was managen alles bedeutet? Als ich der Sache auf den Grund ging, las ich Dinge wie: zustande bringen, fertig bringen, bewältigen, erreichen, erzielen, aufbauen, anstellen, den Weg bahnen, den Weg ebnen. Aber in Bezug auf Zeit? Das klingt jetzt noch sinnloser!

Ich fange an, Liselotte zu verstehen: Zeit kann man nicht erreichen. Die gibt´s doch einfach nur! Ich kann meine Ziele erreichen, einen Gewinn erzielen, mich an der Schlange anstellen, es fertig bringen, mich lächerlich zu machen, einen Turm aufbauen. Nun setze mal Zeit ein: Ich kann meine Zeit erreichen? Nun, vielleicht die, in der ich berühmt bin. Ich kann meine Zeit erzielen??? Ich kann meine Zeit anstellen. Wie einen Wecker? Die Lebensuhr tickt doch schon die ganze Zeit.

Eine Frage der Hormone?

Zum Glück gibt es Menschen, die das ganze Zeit gemanage auch kritisch betrachten. Bei meinen Recherchen stieß ich bei wikipedia.de auf folgenden Fund:

„Wir sind nicht gestresst, weil wir keine Zeit haben, sondern wir haben keine Zeit, weil wir gestresst sind.“  Stefan Klein[1]

Wikipedia erläutert dazu: „Dieser Satz bezieht sich auf eine weitere Aussage in dem Buch, wonach Stresshormone jenen Teil der Großhirnrinde, der für die Zeitwahrnehmung verantwortlich ist, in seiner Funktion einschränken.“ Nachdem ich das gelesen habe, war mein Forschergeist geweckt. Zu gerne möchte ich genauer wissen, was denn die Stresshormone alles so anstellen. Und ganz ehrlich:

Wenn es eine Frage der Hormone ist, kann ich mir auch das Management sparen!

Dann muss ich mich um meine Hormone kümmern. Denn allein das Prioritäten setzen, löst bei mir Stress aus. Da kann das doch gar nicht klappen. Daher bin ich zu folgendem Schluss gekommen:

Wann immer ich wieder denke, ich müsste Zeit „bewältigen“ frage ich mich: Was stresst mich? Da Stress leiden bedeutet, frage ich mich noch genauer: Worunter leide ich?

Ich glaube, damit komme ich an den Kern der Sache. Ich höre mich plötzlich sagen: Ich leide, weil ich denke, ich könnte nicht lesen UND schreiben UND tanzen UND spielen UND mich mit Freunden treffen UND… UND…. UND. Plötzlich bin ich mittendrin im Dilemma. Was mache ich als Erstes?

Prioritäten sind so eine Sache.

Manch einer mag zu mir sagen: „Meine Zeit, du musst Prioritäten setzen. Was ist wichtiger: schreiben, tanzen, spielen, dich mit Freunden treffen? Was hat Vorrang?“ Dem Spaßvogel antworte ich dann, dass alles nebeneinander steht. Da gibt es niemanden und nichts in vorderer Reihe. Ich will da nichts bewerten. Ich will, dass alles gleichwertig ist. Wichtig und dringlich konnte ich noch nie so gut unterscheiden. Es sei denn, jemand verletzt sich. Im Angesicht des Todes ist die Sache auch glasklar. Ich verstehe schon, dass ich Entscheidungen treffen muss. Das tue ich in jeder Sekunde. Gerade habe ich mich entschieden, erst zu essen und dann weiterzuschreiben. Hätte ich gerade meinen Körper ignoriert, hätte ich mich vielleicht anders entschieden.

Wo brennt´s?

Bei all den Prioritäten scheint mir der Fokus nicht ganz unwichtig.

Fokus kommt übrigens aus dem Lateinischen und heißt „Feuerstätte“. Statt mich mit einer abstrakten Frage zu beschäftigen: „Wo ist denn dein Fokus?“ Könnte ich mich auch einfach fragen: „Wo brennt´s?“ Leider verbindet man damit ja eher die Feuerwehr, die gerufen wird. Den Einsatz bei einer Katastrophe. Vergesse ich das mal für einen Augenblick, sehe ich dabei eher das Bild eines wärmenden Feuers in dessen Licht ich sitze. Frage ich mich also beim Anblick meiner hilflos hingeschmierten to-do-Liste:

Wo brennt´s? Wo ist es warm? Wo sitze ich im Licht? Jetzt? In diesem Augenblick?

Es ist ein bisschen so wie dieses Kinderspiel. Mit verbundenen Augen versucht man eine Person zu finden. Die Anwesenden geben Hinweise nur mit „Kalt-Heiß-ganz kalt- warm“. Kennst du das noch?

Ich fahre mit meinem Finger über meine Liste und erspüre die Kältezonen. Manch ein Punkt fühlt sich echt eiskalt an. Andere wärmer und andere ganz heiß.

Wem dieses Vorgehen zu passiv ist, der kann sich fragen: Wo möchte ich die Energie bündeln? So wie in der Optik. (Als ob ich mich damit auskenne) Ich kann dir nicht sagen warum, aber bei diesem aktiven Ansatz lande ich immer wieder in der Egofalle. Ich spüre lieber erst und dann entscheide ich.

Mein vorübergehendes Fazit:

Ich stehe auf Kriegsfuß mit to-do-Listen, Zeitmanagement und Fokus. Ernsthaft überlege ich, mich Liselottes Plan anzuschließen und einfach so vor mich hinzuleben. Es ist ein ehrliches Dilemma, wenn man alles will. Andererseits: Wozu bescheiden sein? Will ich aus dem Vollen greifen, brauche ich doch so etwas Ähnliches wie einen Plan.

Ich melde mich wieder.

Wenn ich neue Erkenntnisse gesammelt habe aus dem Reich der Zeit. Bis dahin experimentiere ich noch ein wenig mit meinen Punkten und Farben und meditiere über den Satz: „Ich habe keine Zeit, weil ich gestresst bin.“

Alles Liebe,

deine Meine Zeit.

 


Diese Taschendame widme ich der Zeit.


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2 comments

  1. Tanja says:

    Liebe Meine Zeit!

    Hatte Maike Dir nicht einen neuen Namen verliehen? 😉
    Ich hasse to-do-Listen! Ich werd immer ganz kribbelig, wenn mein geliebter Gatterich wieder eine anfängt, warum kann ich Dir aber gar nicht genau sagen. Vielleicht, weil ich mein Leben nicht verplanen will? Weil ich nicht auch noch sehen will, was ich ja im Kopf hab?
    Weil auf to-do-Listen immer nur die muss-Dinge auftauchen und nicht die will-ich-aber-weil’s-Spaß-macht-Dinge?
    Duchstreichen, wenn die blöde Liste dann mal da ist, find ich aber auch ganz klasse. :-)) Und manchmal schwirrt mir der Kopf, weil ich zu viele Dinge im Kopf hab, da kann aufschreiben dann auch ganz beruhigend sein.
    In jedem Fall will ich mich nicht verplanen. Es gibt sowieso schon zu viele Fixpunkte und meine Tage sind nicht dazu da, bis zum letzten Moment durchgetaktet zu werden. *schüttel* Da denk ich dann gleich an die Grauen Herren aus „Momo“: sparen Sie Ihre Zeit, dann haben Sie später alle Zeit, die sie gerne haben wollen.
    Und was kommt dann dabei raus, nur Hetze und Eile und nichts als Stress. Nee, nee, dann lieber wie Lieselotte in die Antworten hineinleben und mich davon überraschen lassen, was hinter der nächsten Ecke kommt.
    Alles Liebe
    Tanja

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