Mutmachgeschichten der Taschendamen. Von Maike Grunwald.

Wie man die Kluft überbrückt

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Zwischen Chaos und Perfektion

Wie man die Kluft überbrückt

„Pffff…“, machte Tuana. Sie hatte es sich auf dem rosa Sofa bequem gemacht und streckte die Beine aus: Sie war erschöpft. Zu viel Last auf ihren kleinen Schultern. Seit Tagen jonglierte sie mit mehreren Projekten gleichzeitig. Dabei versuchte sie stets originell, einzigartig und perfekt zu sein.

Die Unvollkommenheit feiern

Sie dachte an Lucky und die tolle Unvollkommenheitsparty, die sie für alle Taschendamen ins Leben gerufen hatte. Lucky sagte ihnen damals, alle Damen sollen so kommen, wie sie sind. Ob hässliche Haare, dicke Bäuche, klemmende Reißverschlüsse – all das würden sie feiern. 

Zusammen hatten sie eine lange Liste der Dinge erstellt, die sie an sich so gar nicht zum Feiern fanden. Darauf standen Sachen wie: „Wutausbrüche, Ungeschicklichkeit, kein Talent, kann nicht singen, rede immer zu leise, esse oft das Falsche, zu viel Schokolade, zu schwer…“

Wie man die Kluft überbrückt. Eine Geschichte der Taschendame Tuana von Maike Grunwald.Tuana hatte damals aufgeschrieben: „Zu viele Ideen im Kopf, zu ehrgeizig, zu perfektionistisch.“ Sie stellte sich vor, wie sie an einer Kluft stand ohne Hängebrücke. Auf ihrer Seite tobten die Ideen.  Manchmal versank sie dabei im Chaos. Schlief schlecht, spät oder gar nicht und war mit ihren Gedanken nur mit sich beschäftigt.

Auf der anderen Seite sah sie sich als Heldin, wie sie alles in vollster Perfektion meisterte. Dazwischen diese scheinbar nicht zu überbrückende Kluft.

Die Kluft überwinden

Wie sie so da lag und vor sich hindachte, bemerkte sie plötzlich, dass sie sich nie getraut hatte, dort hinunter zu schauen. Das tat man an Abgründen normalerweise ja nicht. In ihrer Phantasie ging es sehr tief herab und es waren wilde Abenteuer nötig, um von einer Seite zur nächsten zu kommen. Doch leider war sie nicht Indiana Jones und so stand sie versteinert auf der einen Seite, während sie sehnsüchtig auf ihr Heldinnendasein auf der anderen Seite schaute.

Wie man die Kluft überbrückt. Der Drache aus der Geschichte.Die Kluft ließ sie nicht los. Sie erinnerte sich an Afenis Geschichte und ihre Tour auf dem Drachen. Afeni hatte sich damals die Welt von oben angeschaut. Als Bewältigungsstrategie bei einem Ideenansturm.

Ein guter Plan

Tuana seufzte noch einmal tief, setzte sich gedanklich auf einen freundlichen Drachen und ließ sich von ihm in die Lüfte tragen. Der Wind flatterte um ihren Kopf und ihre Tasche blähte sich vom Fahrtwind auf. Sie kuschelte sich an den Hals des Drachen und genoss den Flug. Perfektion, Ideenchaos, Ehrgeiz und ihr selbst erschaffenes Heldinnenbild wurden immer blasser. Auch die Kluft hörte auf zu existieren.

Von oben sieht die Welt ganz anders aus

Hier oben war alles friedlich. Sie fand sich wieder in ihrer entspannten Mitte. Sobald sie jedoch an den Rückflug dachte,  stellte sich dieses mulmige Gefühl wieder ein und ihre Schultern wurden schwer.

Wie könnte sie dieses Gefühl mitnehmen? Sie würde Maike fragen, ob sie ihr ein Bild malt. Einen Anker, der sie erinnert. Eine Erinnerung an ihre eigene Freiheit. Freiheit von Perfektion und zu hohen Ansprüchen.

Noch tiefer sank sie ins Sofa. Ihr Atem wurde ruhiger. Es gab keinen Grund, jetzt schon ihren entspannten Gedankenflug abzubrechen.

Eine Mutmachgeschichte von Taschendame Tuana. Maike Grunwald
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Diese Geschichte ist ein Beitrag zur Ideenhelden-Blogparade #lebensdurstigeideenhelden von Diana Grabowski (www.ideenhelden.com) und Yasemin Akdemir (www.lebensdurstig.de), die sich einen Monat lang den Themen Vielbegabung, Vielseitigkeit und Scannerpersönlichkeit widmet. Jeden Tag werden dazu spannende Blogartikel, Videos und Podcasts veröffentlicht.

Gestern gab es zum Beispiel den Beitrag von Kathleen Rotheer  zum Thema „Kreativität als mein Lebensanker“. ( Morgen geht es weiter mit dem Beitrag von David Goebel zum Thema „Logo und Produktbilder erstellen: In 4 einfachen Schritten zum Logo“.  Einen Überblick über alle Beiträge der #Ideenparade findest du direkt hier.

8 comments

  1. Petra says:

    Hallo Tuana,
    du gehörst als auch zu den armen Wesen, die ständig der Meinung sind, sie wären nicht gut genug. Und als ob das nicht schon schlimm genug wäre, Sprudels du auch noch voller Ideen. Aus dieser Falle kommst du nur heraus, wenn du lernst Prioritäten zu setzen und den Mut zur Lücke in deinem Perfektionismus findest. Fliege mit deinem Drachen doch einfach einige Runden über deine Ideen. Fang an die umzusetzen, die am intensivsten leuchtet. Höre auf, wenn ein Zufriedenheitsgefühl einsetzt. Versuche nicht perfekt zu sein, behalte deine Ecken und Kanten. Genieße den Erfolg und wende dich erst danach deiner nächsten Idee zu. So hast du den Stress unter Kontrolle und bewahrst deine positiven Gedanken.

    • Maike says:

      Huhu,
      als arm würde ich sie nicht bezeichnen. 😉 Perfektion ist manchmal hinderlich, das stimmt. Wozu gibt´s die Drachen? Von oben sieht ja eben doch alles anders aus.
      Liebe Grüße
      Maike

  2. Katrin Gerke says:

    Liebe Tuana,
    ja, mit solch einer Kluft ist das so eine Sache. Sie erscheint Dir wie ein tiefer Abgrund – aber Du hast noch nie hinunter geschaut. Vielleicht ist es gar nicht so tief? Vielleicht kannst Du alte Vorstellungen, alte Geschichten, nervige Stimmen, komische Gewohnheiten und was immer Du loswerden willst, in diesen Abgrund schmeißen. Dann schüttest Du ihn nach und nach zu und irgendwann spazierst Du ganz locker hinüber…. Wäre das nicht toll?
    Ich will es mal so versuchen, vielleicht machst Du auch mit?
    Viel Spaß dabei,
    liebe Grüße
    Katrin

  3. David Goebel says:

    Hi Maike,

    die Geschichte ist so wunderschön. Mit großem Abstand sieht man die großen Zusammenhänge einfach besser. Deshalb halte ich Zeichnen auch für so hilfreich, auch im Coaching. Auf dem kleinen Zettel verliert jedes große Problem seine Macht.

    SinnSTIFTende Grüße,
    David

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