Wie viel Planung braucht der Mensch?

Was wir von Flüssen lernen können

Wie viel Planung braucht der Mensch?Wenn du mich vor einiger Zeit gefragt hättest, ob ich jemals einen Plan für´s Essen benutzen würde oder gar eine Checkliste für Lebensmittel – ich hätte den Kopf geschüttelt. Mit Planung sammelte ich die unterschiedlichsten Erfahrungen. Die für mich wohl anstrengendste und geplanteste Zeit war die Zeit im Referendariat.

Planung im Minutentakt

Als Lehrerin im Referendariat sollten meine Unterrichtsplanungen in etwa so aussehen:

8:00 BegrüßungWie viel Planung braucht der Mensch?
8:02 Erarbeitung
8:12 Arbeitsphase
8:30 Ergebnissicherung
8:44 Ausblick und Abschied

Das, was du da oben siehst, war nur die Grobplanung. Hinter jeder Arbeitsphase verbarg sich die genaue Planung darüber, was die Kinder tun sollten, was sie potentiell lernen könnten, welches Material benötigt wurde. „Schüler sitzen im Stuhlkreis, hören aufmerksam zu,…“

Entwicklung einer Planungsgewohnheit

Der Plan diente dazu, das Lernen zu steuern und meiner Sicherheit, sagten die Seminarleiter. Ich solle wissen, was ich tue. Minutiös. Der Vorteil für mich war tatsächlich die Entwicklung einer Routine, einer Planungsgewohnheit. Dennoch, für eine kreative Seele wie mich, war es schwer umzusetzen. Innerlich wusste ich, dass es so lange „gut“ gehen würde, bis ein unerwartetes Ereignis eintreten würde. (Davon gibt es im Schulalltag unzählige…) Dann war es das mit dem Plan. Was dann zählen würde, wären meine Weisheit, meine Klarheit, meine Ressourcen.

Mein Leitstern in der Planung

Mein wichtigster „Plan“ damals war das Glück, das der Kinder und meines. Es diente mir als Fokus, als Leitstern. Es war die eine innere Haltung, die ich einnahm. Um mich nicht zu Tode zu planen, brauchte ich einen Anker. Das Glück ist übrigens immer noch mein bester und zuverlässigster „Plan“.

Ein Plan – was ist das eigentlich?

Wie viel Planung braucht der Mensch?Ein Blick in Wikipedia sagt mir, dass das Wort aus dem Französischen kommt und „Entwurf, Grundfläche, Grundriss“ bedeutet, aber auch „Absicht, Vorhaben“. Im Lateinischen heißt „plantäre“ pflanzen. Ich bin froh um diesen Aspekt des Pflanzens. Er erinnert mich daran, dass Planung ein natürlicher Prozess ist, der seinen eigenen Rhythmen folgt. Wenn ich im Herbst Tulpenzwiebeln setze, kann ich nicht erwarten, sie im Dezember blühen zu sehen. Es sei denn, ich strenge meinen Kopf ganz doll an und überlege, wie ich den Wachstumsprozess beschleunigen kann.

Was Flüsse mit Planung zu tun haben

Wie viel Planung braucht der Mensch?Wenn ich heute an Planung denke, sehe ich einen Fluss vor mir. Verschwunden ist das Bild mit der Planung im Minutentakt. Ein Fluss hat sein Bett, in dem er fließt. Ganz natürlich bahnt sich das Wasser seinen Weg. Überflutungsflächen fangen wie ein Schwamm überschüssiges Wasser während eines Hochwassers auf. Das Wasser fließt in seinem Tempo. Er hat es nicht nötig, sich zu beeilen. Ich frage mich, wie natürlich meine Planung ist, wie gut sie die Gesetzmäßigkeiten der Natur berücksichtigt. Ob ich irgendwo zu viel geplant habe, zu viel gebaut, sodass der Fluss bei Hochwasser übertreten muss, weil ich ihm seinen Platz beschnitten habe.

Zu viel geplant

Zu Beginn von 2016 hatte ich unendlich viele Vorstellungen und Pläne. Der Arbeit an der Schule wohnte der Plan schon inne: Bildungspläne, Stundenpläne, Terminlisten, ToDo´s – das Schuljahr war hoffnungslos durchstrukturiert. Also suchte ich nach Zielen für meine künstlerische Seite. Mehr davon wollte ich ausleben und vor allem die Taschendamengeschichten schreiben. Meine Zeit war mehr als ausgefüllt und ich rauschte durch den Tag.

Dein Plan kann mich mal

Dann wurde ich krank. Mein Körper sagte: „Deine Pläne können mich mal.“ Meine Kreativität schrie „Hurra!“ Ein erstaunliches Phänomen: Ich konnte nicht arbeiten. Jeder Plan wog bleischwer. In meinem Kopf Gedankenknäule. Kraftlos. So saß ich zu Hause. Ruhiggestellt ohne Plan. Nur mit mir, Stiften und Papier (ok, mehr mein iPad mit entsprechendem Stift) und ich malte. Ich malte mich gesund, ohne Plan. Um die 200 Bilder muss ich seitdem ungefähr gemalt haben. Nicht eines habe ich geplant. Sie sind mir begegnet. Wie alles, seitdem ich die Pläne losgelassen habe.

Kreative Flut

Wie viel Planung braucht der Mensch?Der Fluss trat über die Ufer. Zu lange und zu viel hatte ich geplant. Meine Pläne hatten den natürlichen Fluss blockiert. Seitdem suche ich nach einer „Kreativen Struktur“. Wobei ich sie eigentlich nicht suchen brauche. Ich kann weiter von Flüssen lernen, mir anschauen, wie sie fließen. Aus Fehlern lernen und in meinem Kalender für ausreichend „Überflutungsfläche“ sorgen, mir die Hochwasserzeiten eintragen, falsche Begradigungen entfernen.

Das passende Flussbett finden

Um natürlich und entspannt zu planen, testete ich mehrere Tools: Trello, Wunderlist, TimeTrack, Rescue-Time. Immer wieder tappte ich in die Planungsfalle. Ich führte ein Bullet-Journal, das mir am flexibelsten erschien und es wurde zu zeitaufwändig. Passende Kalender waren nicht in Sicht. Als ich zu wenig plante, landete ich im Chaos.

Kreatives Kalenderprojekt

Ende November startete ich deshalb mein eigenes Kalenderprojekt. Ich gestalte Monatsseiten, Jahresübersichten und teste sie aus. Mein Ziel ist es, am Ende einen Kalender zu haben, der flexibel und offen genug ist für kreative Phasen, der meinem Leben ein „natürliches Flussbett“ bietet. Ein Kalender, der mich an meine Zeit erinnert und an meinen Leitstern.

Gemeinsam macht es mehr Spaß

Ich lade dich herzlich ein, bei der Kalender-Mitmach-Aktion dabei zu sein. Du bekommst von mir Kalenderentwürfe und kannst sie für dich austesten. In meiner Facebook-Gruppe gibt es die Möglichkeit sich auszutauschen.

Alle weiteren Informationen findest du hier.

Ich freue mich auf dich.

Wie viel Planung braucht der Mensch?P.S.: Inzwischen habe ich einen Essensplan und eine Lebensmittel-Checkliste. Du kannst ihn Dir hier bis Weihnachten kostenlos herunterladen.

Maike-grunwald-essensplan (86.0 KiB, 7 downloads)
Bei Karlotta findest Du übrigens ein Rezept. 🙂

Dieser Beitrag ist im Rahmen der Blogparade „Zu Tode geplant – Ja oder Nein?“ von Eva Laspas entstanden.

2 comments

  1. Eva Laspas says:

    Liebe Maike,
    jaja, das Planen kann einem zu Kopf steigen. ,-) Danke für deinen tollen Beitrag zu meiner Blogparade – der sit ganz in meinem Sinn. ,-) Und deine schönen Kalenderideen auch!
    lg aus Wien
    Eva

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