Wie werde ich Heldin? | Mutmachgeschichten

Wie werde ich Heldin?

 

Wie werde ich Heldin?

Taschendame AfeniIch bin Afeni und das bedeutet „Sie ist ein lieber Mensch“.
Wir Taschendamen grübeln gerade, mit welchen Themen wir dich heute erfreuen können und finden es gar nicht so leicht. Es gibt eben solche Momente und solche. Am liebsten würde ich ja heute Maike beobachten. Nachdem wir über uns so viel Persönliches Preis gegeben haben, darf sie sich da nicht so raushalten, finde ich. Auch wenn sie unser Chef ist. Ich lag ihr dann die letzten Tage ein bisschen in den Ohren. Schließlich hat sie zugestimmt, ich dürfe ein bisschen was erzählen.

Wie denkst du so?

Warst du schon mal in Afrika? Sie vor vielen, vielen Jahren als sie keinen Plan von ihrem Leben hatte – außer Afrika. Andere haben sich in der Zeit ihre Ausbildung gesucht, ihr Studium. Und sie? Sie verkaufte Eis auf Jahrmärkten und fuhr nach Afrika. Wie war für dich der Start ins Berufsleben? Maike hat Mehreres ausgetestet: Schwesternhelferin, Grafik-Design und dann hatte sie noch die unglaubliche Idee, sie könne Pathologin werden. Ganz makaber hat sie gesagt, da könne sie keinen ärztlichen Kunstfehler begehen. Schließlich landete sie bei Entwicklungshilfe. Das allerdings auch nur kurz und theoretisch, bis ihr Blick auf einen Tanz- und Trommelworkshop fiel. Das hat sie dann in der Tat gemacht.

Heute würde man wohl typisch Ideenheldin dazu sagen oder Scannerin. Wobei ich den Begriff Scanner nicht mag. Ich denke dann immer daran, dass ich auf so eine Glasscheibe gelegt werde und dann von unten beleuchtet… Das ist aber dann doch nicht gemeint, zum Glück. Eher so, dass man eine besondere Denkweise hat. Maike hat es mir so beschrieben, dass sie manchmal alles gleichzeitig denkt. Ein spannendes Thema, wie man so unterschiedlich denken kann. Alles auf einmal, wild und chaotisch oder geordnet, diszipliniert, wie die Schlange der Menschen,  letztens, beim Einsteigen in den Bus. Einer nach dem Anderen ging da in Ruhe rein.

Zurückbleiben bitte!

Ich glaube, bei Maike ist es nicht so. Ich glaube, ihr Ideenheldinnen-Gehirn funktioniert da manchmal eher so wie in der Rush-Hour, wenn alle auf einmal nach Hause wollen und sich dann in dichten Trauben vor den Türen der U-Bahn drängeln. Vielleicht muss sie auch einfach mal mit dem Fahrer sprechen, dass der mal ne richtige Durchsage macht. So wie in Hamburg auch. „Zurückbleiben bitte!“ tönt es da durch die Lautsprecher, wenn da wieder jemand eilig auf den Bahnsteig gelaufen kommt. Da gibt es ja auch Türen die sich schließen können und die Bahn vor Überfüllung bewahren. Wie denkt denn dein Gehirn so?

In Form gequetscht – oder Heldin werden?

Ihr Weg ging in Kurven weiter, zur kurzzeitigen Tanzpädagogin und dann zum Lehrerstudium. Praktischer sei das, meinte sie, als Magister. Nachdem sie sich so ein paar Jahre in Form gequetscht hat, sind die 1000 Ideen wieder da. Ich glaube, ich bin auch nicht so weit weg davon. Eigentlich wollte ich dir von Afrika berichten und nicht von Scannern. Entscheiden kann ich mich nicht. Das muss wohl in der Familie liegen. Aber als Scanner oder Ideenheldin braucht man das nicht. Wie der Name schon sagt: Man wird Heldin seiner Ideen. Verrückte Welt, oder? Manche Menschen leiden unter Langeweile, manche unter zu vielen Ideen.

Auf den Drachen, fertig, los!

Als Heldin macht das ganze ja nichts. Als Heldin schwinge ich mich auf meinen Drachen und reite los. Natürlich genieße ich den Flug, denn von hier aus kann ich diese kunterbunte Welt viel besser beobachten. Und während ich hier so fliege, sehe ich die anderen Gebiete, die so geradlinig und überschaubar gebaut sind. Ein bisschen neidisch werde ich darauf schon. Es sieht so aus als könne man sich nicht verirren UND man braucht keine Entscheidungen treffen.

Den Flug genießen

Vielleicht ist der Trick als Ideenheldin auch der, erstmal eine Zeit zu fliegen und die Aussicht zu genießen. Warum sollte man sich auch entscheiden? Schön ist ja alles und so bunt. Übrigens wusste 1992 (das Jahr in dem sie Abitur machte) noch keiner was von Scannern oder Ideenheldinnen. Den Begriff Scanner gibt es erst seit 1994. Barbara Sher hat ihn geprägt.

Wie werde ich denn nun Heldin?

Drachen Klara und Heldin
Klara macht es vor. Auf den Drachen, fertig, los.

Vielleicht bin ich es schon? Vielleicht bis du es schon? Jedes Mal, wenn wir in unserem Alltag außergewöhnliche Situationen meistern müssen, sind wir Heldinnen. Manchmal müssen wir Heldinnen des Haushalts sein, Heldinnen der Emotionen, Heldinnen der Ideen. Bleibe ich bei meinem Bild der U-Bahn muss ich im Ansturm der Ideen trainieren und die Ruhe bewahren. Wenn ich den Rush-Hour-Ansturm unbeschadet überstanden habe, bin ich meinem Heldinnentum ein bisschen näher. Oder ich nehme doch lieber mein Drachenbild und erlaube mir zu fliegen. Landen tue ich dann immer in den Pausen oder wenn ich Hunger habe.

Den Drachen zähmen

Ein Drache gilt in verschiedenen Schöpfungsmythen übrigens als Sinnbild des Chaos, der überwunden und getötet werden muss. In Ostasien ist er aber auch ein Glücksbringer und ein Symbol der Fruchtbarkeit. Wenn ich nun die Wahl habe, lasse ich mal das Töten weg. Die Ideen werden ja noch gebraucht und da nehme ich den Drachen doch lieber als mein Fortbewegungsmittel. Ich werde ihn nur ein bisschen zähmen müssen. Aber als Heldin kein Problem, oder?

Ideen - Heldin
Ein Klick auf den Sticker und du kommst zu Diana Grabwoski, Begründerin der Ideenhelden-Bewegung.

Nun habe ich gar nichts mehr über Maikes Zeit in Afrika geschrieben. Es scheint, als hätte mein U-Bahn-Fahrer sie noch abhalten können auf den Zug aufzuspringen. Nicht Maike meine ich, die Afrika-Gedanken.

Was und wie denkst du denn so? Wenn du magst, teile deine Bilder im Kommentar. Ich bin neugierig, ob es neben Drachen und U-Bahn-Fahrern noch andere Bilder gibt.

Alles Liebe, deine Afeni


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7 comments

  1. Liebe Maike,
    einfach wunderbar!!! Ich habe noch nie so eine authentische, passende und witzige Beschreibung der Ideenhelden-/Scannerpersönlichkeit gelesen!

    Jetzt habe ich immer das Bild vom Bus vor Augen, wenn meine vielen 1000 Ideen auf mich einstürmen.

    Ich kann nicht aufhören zu schmunzeln.

    Phantastisch! Danke.

    Alles Liebe für Dich und bleib so verrückt, wunderbar und authentisch.

    Diana

    • Maike says:

      Liebe Diana, danke für dein wundervolles Kompliment. Ohne dich wüsste ich nicht, dass es überhaupt Ideenheldinnen gibt. 🙂
      Alles Liebe
      Maike

  2. Nicole says:

    Liebe Maike, wie schön Afeni dich beschrieben hat. Sie hat nun ganz viele Puzzleteile deines Lebens in meinen Kopf gesetzt und ich puzzle mir daraus ein Bild von dir 🙂 Auf jeden Fall macht es mich neugierig und ich würde dich jetzt gerne auf ein Glas Wein (oder so) einladen, um noch mehr über deine Zeit in Afrika zu erfahren! Und weil Afeni nach meinen Bildern gefragt hat – also ich denke wohl in Puzzlestücken. Im Moment puzzle ich mir einen neuen Bereich in der Selbstständigkeit zusammen 🙂 Auf jeden Fall bist du, liebe Maike, inzwischen auch ein Puzzlestück in meinem Puzzle!
    Ganz herzlich
    Nicole

    • Maike says:

      Liebe Nicole,
      wie schön du geschrieben hast 🙂 Danke, dass ich ein Puzzlestück in deinem Puzzle sein darf. Auch ein spannendes Bild in Puzzlestücken zu denken. Es hat etwas Ruhiges, es sei denn es ist ein rundes 10000 Teile Puzzle – dann stelle ich es mir sehr herausfordernd vor. Vielleicht erzählt Afeni auch noch mehr über Afrika – das wäre dann aber vielleicht auch eine Fortstzungsgeschichte.
      Liebe herzliche Frühlingsgrüße zurück
      Maike

  3. Hallo Afeni,

    ich mag den liebevollen Humor, mit dem du uns die Taschendamen-Chefin vorgestellt hast. 🙂

    Ganz herzlichen Dank für die Frage: „Wie denkt denn dein Gehirn so?“ – Das ist eine enorm wichtige Frage, die so viele verschiedene Antworten haben darf, wie es Gehirne auf der Welt gibt. Meine Antwort ist: „Meistens denkt mein Gehirn an jetzt gerade. An später nur, wenn es unbedingt sein muss. Dadurch ist Planung und Überblick manchmal eine echte Herausforderung.“

    Früher dachte ich nur an später. Aber das war Quatsch, weil ich ewig in meinen Tagträumen steckengeblieben bin. Jetzt denke ich an jetzt und nehme in Kauf, dass „Jetzt“ dadurch oft länger dauert als es müsste…

    Sei du selbst, lass die anderen anders sein.
    Deine
    Christine

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